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Gründung im Handwerk – DAS müssen Sie wissen!

von 18 Aug 2121

Ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist immer mit einigen Regeln verbunden. Wollen Sie ein handwerkliches Unternehmen gründen, kommen sogar noch einige dazu. Brauche ich einen Meistertitel? Was mache ich, wenn ich keinen Meistertitel haben? Wo finde ich die Gesetzestexte? Hier gibts die Antworten auf all Ihre Fragen zur Gründung im Handwerk!

Brauche ich einen Meistertitel für eine Gründung im Handwerk?

Das ist die wohl meistgestellte Frage was die Gründung im Handwerk angeht. Die Antwort lautet „Jaein“! Das liegt daran, dass man das nicht so pauschal bestimmen kann. Denn es kommt immer auf die jeweilige Berufsgruppe innerhalb des Handwerks an. Innerhalb des Handwerks gibt es sowohl zulassungsfreie als auch zulassungspflichtige Berufsgruppen. Zulassungspflichtig bedeutet dabei, dass man für die Selbstständigkeit einen Meistertitel benötigt. Bei den zulassungsfreien Berufsgruppen ist das nicht erforderlich und man kann bereits als Geselle ein Unternehmen im Handwerk gründen. Welche Berufsgruppen welche Bedingungen haben, sind in den Anlagen A, B1 und B2 der Handwerksordnung festgehalten.

Zulassungspflichtige Berufsgruppen – Anlagen A

Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise Tischler*innen, Elektroniker*innen, Dachdecker*innen und Friseur*innen. Alle weiteren Berufsgruppen können Sie direkt hier in den Anlagen A nachlesen!

Zulassungsfreie Berufsgruppen – Anlagen B1 und B2

Ohne einen Meistertitel können zum Beispiel Keramiker*innen, Fotograf*innen, Schuhmacher*innen und Uhrmacher*innen. Einen gesamten Überblick über alle zulassungsfreien Berufsgruppen findet ihr hier.

Bei den Anlagen B gibt es im Gegensatz zu Anlagen A aber noch eine Besonderheit. Die Anlagen B sind abermals in B1 und B2 unterteilt. In Anlagen B2 sind nämlich handwerksähnliche Berufe aufgeführt, die zwar als solches angemeldet werden müssen, aber auch keine Qualifikationen wie Meistertitel fordern.

Ausnahmen für alle Nicht-Meister bei der Gründung im Handwerk

Sollten Sie jetzt keinen Meistertitel haben und den Traum von Selbständigkeit schon an sich vorbei ziehen sehen, gibt es doch noch Ausnahmen von der Meisterpflicht bei zulassungspflichtigen Berufsgruppen. Im wesentlichen gibt es dabei 2 Ausnahmeregelungen:

  1. Ausübungsberechtigung nach § 7b HWO beantragen: Sie müssen mindestens Gesell*in in dem zulassungspflichtigen Handwerk sein, in dem Sie gründen möchten. Hinzu kommt, dass Sie mindestens 6 Jahre als Geselle und mindestens 4 Jahre in einer leitenden Tätigkeit gearbeitet haben. Unter einer leitenden Fähigkeit versteht man dabei, wenn Sie eigenverantwortliche Entscheidungsbefugnisse inne hatten. Zusätzlich müssen Sie ebenfalls kaufmännische und allgemeinrechtliche Sachkenntnisse in Form von formlosen Prüfungen vorweisen können. Aber Achtung: All das gibt Ihnen trotzdem noch nicht das Recht, auszubilden oder einen Meistertitel zu tragen!
  2. Ausnahmebewilligung nach § 8 HWO beantragen: Hierbei werden spezifische Gründe, die Sie am Meistertitel hindern, beachtet. Innerhalb dieses Paragraphen gibt es 2 Möglichkeiten. Bei beiden Möglichkeiten müssen Sie aber meisterähnliche Kenntnisse & Fähigkeiten und kaufmännische & sachrechtliche Kenntnisse vorweisen können oder dafür formlose Prüfungen ablegen.
    • unbefristete Ausnahmebewilligung: Diese wird erteilt, wenn Sie die Meisterprüfung aus spezifischen Gründen nicht ablegen können. Dazu gehören beispielsweise fortgeschrittenes Alter (ab etwa 47 Jahre), Beschränkung auf eine Spezialtätigkeit, gesundheitliche und körperliche Behinderungen oder das Vorliegen anderer Prüfungen. Erfüllen Sie eine dieser Kriterien, müssen Sie die Meisterprüfung auch nicht mehr ablegen.
    • befristete Ausnahmebewilligung: Diese wird in spezifischen Situationen erteilt, die aber nur auf einen bestimmten Zeitraum aktuell sind. Das können zum Beispiel Arbeitslosigkeit infolge von Outsourcing, Gelegenheit zu einer Betriebsübernahme oder lange Wartezeiten bei Meisterprüfungen sein. Das besondere hierbei ist, dass Sie die Meisterprüfung meist in den nächsten 2 Jahren nachholen müssen.

Alles in allem gibt es im Handwerk also doch einige Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen. Wenn Sie gerade selbst vor einer Gründung stehen oder schon mitten drin sind, bieten wir Ihnen ein kostenloses Erstgespräch in unserer Gründerberatung an.